Linspher Radweg

Zwischen Allendorf (Eder) und Hallenberg

Auf einer ehemaligen Bahntrasse führt der Linspher Radweg durch das idyllische Linsphertal. Besonders reizvoll ist der Abschnitt durch den "Schlund", der alte Bahntunnel bei Bromskirchen.

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Es war ein im wahrsten Sinne bewegender Moment, als nach rund 34 Monaten Bauzeit eine mit bunten Girlanden geschmückte Lokomotive am 01. Dezember des Jahres 1908 offiziell den Zugverkehr auf der einzigen Eisenbahnverbindung durch das Rothaargebirge aufnahm.

Über 58 Jahre rollte der Personen- und Güterverkehr mit bis zu fünf fahrplanmäßigen Zugfahrten (in jede Richtung) über die Gleise durchs Linsphertal. Im Jahre 1966 wurde der Bahnbetrieb wieder eingestellt.

Heute führt der neue Linspher Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse zwischen Hallenberg und Allendorf (Eder) durch das idyllische Linsphertal. Nach der kompletten Fertigstellung der Strecke bis Winterberg, werden zwei deutsche Top Radwege miteinander – der RuhrtalRadweg und der Ederradweg – verbunden.

Besonders reizvoll ist der Abschnitt durch den „Schlund“, der alte Bahntunnel bei Bromskirchen.

Auf der Strecke geben insgesamt 6 Schautafeln Einblicke in ein Stück Zeitgeschichte der Bahn.

Hier ein Beispiel über das Tragische Ende einer Ära:

In unmittelbarer Nähe des heutigen Verkehrskreisel, dort wo die Allendorfer Schulstraße in die Bundesstraße 236 mündet, ist am  28. November 1908 die letzte Postkutsche mit dem ersten Eisenbahnzug zusammengestoßen. Dieses tragische Ereignis, drei Tage vor der Eröffnung des Eisenbahnabschnittes Winterberg – Frankenberg (Eder), erregte am Ende der Bauzeit (1906-1908) allgemeines Aufsehen.

Der 43jährige Postillion Franz Rohleder aus Braunshausen, im Dienste der Posthalterei Winter in Hallenberg stehend, hatte abends kurz nach sieben Uhr bei Dunkelheit und dichtem Nebel die Poststelle in Allendorf (Eder) verlassen, um die Heimreise anzutreten. Aus Richtung Bromskirchen näherte sich genau in dem Augenblick ein Probezug, als Rohleder mit seinem Gefährt den unbeschrankten Bahnübergang unterhalb der Kämmersmühle passierte. Er hatte die Läute- und Pfeifsignale der Lok überhört. Beide Pferde wurden von der Dampflokomotive erfasst und getötet, die Postkutsche zerstört und dem mehrfachen Familienvater ein Bein abgetrennt.

Am 3. Dezember 1908, zwei Tage nach Eröffnung der neuen Eisenbahnstrecke, erlag der Postkutscher in einer Marburger Klinik seinen Verletzungen. Der Tod des letzten Postillions und die Zerstörung der Postkutsche durch das neue Verkehrsmittel Eisenbahm stehen symbolisch für den Übergang von der Postkutschen- zur Eisenbahnzeit.

Oder interessantes zum Thema „Aus dem Pott in die Sommerfrische“

Die Eisenbahnverbindung vom kurhessischen Frankenberg (Eder) über Winterberg zum Knotenpunkt Bestwig in Westfalen zählte damals zu den landschaftlich reizvollsten Nebenbahnen in Nordhessen und im südlichen Westfalen. Die Zugreisenden hatten in Bestwig Anschluss an die „Obere Ruhrtalbahn“ in Richtung Hagen oder Warburg. Schon in den 1920er Jahren benutzten Erholungssuchende, vor allem aus dem rauchgeschwängerten Industriestandort Ruhrgebiet (im Volksmund auch Kohlenpott genannt), das Transportmittel Eisenbahn, um in der Waldeinsamkeit des Rothaargebirges frische Luft zu tanken. „Sommerfrischler“ wurden sie genannt.

Neugierig geworden? Auf dem Linspher Radweg können Sie viele weitere Interessante Geschichten zur wichtigsten Eisenbahnverbindung durch das Rothaargebirge kennenlernen.